Deine Geschichte steckt fest wie ein gefrorener Fluss – doch sie wartet nur darauf, wieder zu fließen. Du spürst es: Da ist etwas in dir, das jetzt schreiben will. Nicht irgendwann. Nicht wenn die Bedingungen perfekt sind. Jetzt.
Wenn du feststeckst, liegt das selten an fehlender Kreativität. Es liegt an zu viel Erwartung. Zu viel Perfektion. Zu viel innerem Lärm. Die Lösung? Druck raus. Struktur rein.
Key Takeaways
- Writer’s Block ist kein Zeichen von mangelndem Talent, sondern oft das Ergebnis von Stress, Perfektionsdruck oder zu vielen Erwartungen.
- Kurze, zeitlich begrenzte Übungen wie Freewriting oder Diktat bringen dich schneller zurück in den Schreibfluss als stundenlanges Grübeln.
- Du musst nicht linear schreiben: Spring zu den Szenen, die dich emotional anziehen, und verbinde sie später.
- Bewegung, Perspektivwechsel und ein Wechsel des Mediums (z. B. von Tippen zu Sprechen) lösen Blockaden überraschend zuverlässig.
- Ein physischer Ausdruck deiner Entwürfe kann mehr Motivation auslösen als digitale Notizen – probier’s aus!
Wie du diesen Artikel nutzt
- Wähle eine Übung aus diesem Artikel – nicht fünf auf einmal.
- Stell einen Timer (10–30 Minuten) und bleib dran, bis er klingelt.
- Bewerte nicht währenddessen. Du sammelst Material, kein Meisterwerk.
- Wenn es „schlecht“ wird: Perfekt. Das bedeutet, du produzierst wieder.
- Frage dich nach dem Timer: „Was war leichter als gedacht?“
Definition schnell
Eine Schreibblockade (Writer’s Block) ist der Moment, in dem du schreiben willst, aber dein innerer Kritiker lauter ist als deine Stimme. Gedanken kreisen, der Text fühlt sich plötzlich falsch an, und dein Kopf verlangt Perfektion, bevor der erste Satz steht. Doch: Blockaden lösen sich durch Handeln, nicht durch Grübeln.
Warum wir erstarren: Die Psychologie hinter Writer’s Block
Die Angst vor dem weißen Blatt hat sogar einen Namen: Leukosélidophobie. Klingt wie ein Zauberspruch, ist aber im Alltag ganz real: Stress, Erwartungsdruck und der Drang, sofort „richtig“ zu schreiben, lassen dein Gehirn in den Schutzmodus wechseln. Ideen werden abgewürgt, Sätze zerpflückt – noch bevor sie entstehen dürfen.
Der innere Kritiker ist schneller als der innere Erzähler. Die Lösung? Trenne beide Prozesse: Erst schreiben. Später urteilen. Dein Gehirn liebt Bewegung – es hasst Bewertung im Entstehungsprozess.
Merksatz für heute
Schreiben ist Produzieren. Überarbeiten ist Bewerten. Wenn du beides gleichzeitig versuchst, blockierst du dich selbst.
10 Übungen, um Writer’s Block zu überwinden – sofort anwendbar
Hier findest du zehn praxiserprobte Methoden, die bewusst zeitlich begrenzt sind. Denn Dringlichkeit funktioniert besser als „Ich warte, bis ich mich bereit fühle“. Jede Übung ist darauf ausgelegt, dich in weniger als 30 Minuten zurück in den Schreibfluss zu bringen.
Kurze Anmerkung / Wie du diese Übungen nutzt
- Wähle eine Übung – nicht alle auf einmal.
- Stell einen Timer (Handy reicht) und bleib bis zum Ende dran.
- Bewerte nicht währenddessen – du sammelst Material, kein Meisterwerk.
- Wenn es „schlecht“ wird: Perfekt. Das bedeutet, du produzierst wieder.
- Notiere nach dem Timer nur: „Was war leichter als gedacht?“
1) Ultimatives Freewriting (10 Minuten)
Setz dich hin und schreibe – völlig egal, was. Wenn dir nichts einfällt, schreibe: „Ich weiß nicht, was ich schreiben soll“, bis etwas anderes kommt. Grammatik? Aus. Stil? Aus. Logik? Aus. Dein Ziel ist nicht Schönheit, sondern Bewegung.
2) Der „Thomas Mann“-Dialog (15 Minuten)
Nimm den Anfangssatz eines Klassikers oder ein berühmtes Zitat und schreibe es ab. Warum? Fremde Worte sind wie ein Steg über eiskaltes Wasser: Du kommst rüber, ohne sofort schwimmen zu müssen. Danach wechselst du in deine eigene Szene und schreibst weiter.
3) Die Hemingway-Vorschau (5 Minuten)
Geh zurück zum letzten Punkt, an dem du im Flow warst. Statt auszuschreiben, notierst du nur in Stichpunkten, was als Nächstes passiert. Das entlastet deinen Kopf: Du musst nicht „perfekt formulieren“, du musst nur entscheiden.
4) Post-it-Explosion (15 Minuten)
Schreib jedes Wort, jede Farbe, jedes Gefühl und jeden Dialogfetzen deiner Szene auf einzelne Zettel. Klebe sie ungeordnet an die Wand. Diese visuelle Unordnung nimmt den Druck der linearen Erzählung weg – und dein Gehirn beginnt automatisch, Verbindungen zu sehen.
5) Charakter-Interview (20 Minuten)
Stell dir vor, du interviewst deinen Protagonisten: „Warum handelst du so? Was verschweigst du? Wovor hast du Angst?“ Wenn du laut sprichst (oder schreibst, als würdest du sprechen), fällt der innere Zensor oft schneller um als beim „stillen Grübeln“.
6) Schatzsuche in der Ideenbox (15 Minuten)
Durchforste alte Notizen, Skizzen oder Fragmente. Manchmal ist ein halber Absatz von früher genau der Funke, der heute fehlt. Tipp: Wenn du noch keine Ideenbox hast, leg ab heute eine an – eine einfache Notiz-App reicht.
7) Diktat beim Gehen (10 Minuten)
Verlass den Schreibtisch. Nutze die Diktierfunktion deines Handys und erzähle deine Szene laut, während du gehst. Der Wechsel des Mediums (von Tippen zu Sprechen) ist ein Trick, der überraschend oft funktioniert, weil du weniger „schreibst“ und mehr erzählst.
8) Der „Schrott-Entwurf“ (20 Minuten)
Gib dir die Erlaubnis, absichtlich schlecht zu schreiben. Der erste Entwurf soll nicht brillant sein – er soll da sein. Nur wenn Material existiert, kannst du es später verbessern.
9) Kapitel-Hüpfen (30 Minuten)
Steckst du in Kapitel 13 fest? Dann schreib Kapitel 20. Oder die Szene, auf die du wirklich Lust hast. Du bist nicht verpflichtet, linear zu schreiben. Du bist verpflichtet, dranzubleiben.
10) Physischer Reset (15 Minuten)
Wenn gar nichts geht: Mach Sport, dusche oder räum die Küche auf. Dein Unterbewusstsein arbeitet weiter, während du körperlich beschäftigt bist. Viele Ideen kommen genau dann, wenn du aufhörst, sie zu erzwingen.
Mini-Checkliste gegen „Ich hänge fest“
- Timer gestellt?
- Inneren Kritiker auf „später“ verschoben?
- Eine Übung gewählt (nicht fünf)?
- Erlaubnis zum „schlechten“ Entwurf gegeben?
- Nach dem Timer: Nur markieren, nicht umschreiben?
| Situation | Empfohlene Übung |
|---|---|
| „Ich bin zu leer“ | Freewriting, Diktat beim Gehen, Physischer Reset |
| „Ich bin zu streng mit mir“ | Schrott-Entwurf, Thomas-Mann-Dialog, Hemingway-Vorschau |
| „Ich hänge im Plot fest“ | Post-it-Explosion, Kapitel-Hüpfen, Charakter-Interview |
| „Ich bin zu verkopft“ | Bewegung + Diktat, Interview laut, visuelles Brain-Dump |
Die anpassbare Schreibroutine für den 9-to-5-Job
Keine Zeit? Kein Problem. Viele Autoren schreiben erfolgreich neben ihrem Vollzeitjob – nicht, weil sie mehr Stunden haben, sondern weil sie kleine, planbare Slots nutzen. Hier ein Beispiel:
- Morgen-Sprint (z. B. 06:30 – 07:15): Halbwach ist dein Verbündeter. Dein Kopf ist weniger kritisch. Drei Seiten „Morning Pages“ können den Druck rausnehmen.
- Pendler-Pause: Notizbuch oder Diktat. Szenen skizzieren, Dialogfetzen sichern, Ideen sammeln.
- Abend-Block (z. B. 20:00 – 21:30): Fester Termin. Flugmodus. Instrumentale Musik als Fokus-Anker.
- Wochenend-Deep-Work: Eine längere Session, um in deine Welt einzutauchen und offene Fäden zu schließen.
Häufiger Fehler
Zu groß planen. „Ab morgen schreibe ich jeden Tag zwei Stunden“ klingt heroisch – und scheitert oft am dritten Tag. Lieber klein starten: 20–30 Minuten reichen, wenn du sie wirklich einhältst.
Der CoolLibri-Tipp: Mach es real
Manchmal ist der Bildschirm zu abstrakt. Drucke deine Entwürfe aus – schon ein paar Seiten verändern das Gefühl: Aus einer Datei wird ein echtes Projekt. Viele Autoren merken dann: „Okay, das ist nicht nur eine Idee. Das ist schon etwas.“
Ein physischer Ausdruck motiviert, weil er dein Projekt greifbar macht. Probier’s aus: Drucke deine ersten Kapitel als Heft. Für Testleser, als Motivationsbooster oder einfach, um dein „Irgendwann“ in ein „Jetzt“ zu verwandeln.
Mach aus deinem Entwurf etwas Reales – und bleib dran.
Drucke deine ersten Kapitel als Heft. Für Testleser, Motivation oder einfach, um dein Projekt endlich „in der Hand“ zu haben.
FAQ: Writer’s Block überwinden
Was ist Leukosélidophobie?
Hilft Freewriting wirklich, wenn ich gar keine Ideen habe?
Warum soll ich absichtlich „schlecht“ schreiben?
Muss ich mein Buch linear schreiben?
Was mache ich, wenn ich mit dem Plot feststecke?
Wie finde ich eine Schreibroutine trotz Vollzeitjob?
Warum motiviert es, Kapitel auszudrucken?
Welche Übung ist die schnellste, wenn ich gar nicht schreiben kann?